Leider nein. Denn auch im Job gibt es Körperregeln, sagt die Soziologin Andrea Bührmann von der Universität Göttingen. Der augenfälligste Beweis: Große und dünne Menschen machen eher Karriere als kleine und dicke. Bührmann erklärt das mit dem Habitus-Konzept von Pierre Bourdieu: “Menschen entwickeln bestimmte Körperformen auch aufgrund von Verhaltensweisen, an denen sich sehr einfach erkennen lässt, welchen sozialen Status sie haben.” Sie mögen und essen bestimmte Dinge – dick machende Pommes oder Austern. Sie tragen eine bestimmte Art von Kleidung und Schmuck – Jeans oder Anzug. Und sie sprechen natürlich auch über bestimmte Themen – den Campingurlaub oder die letzte Opernaufführung.Schlanksein werde in unserer Gesellschaft als Zeichen von Disziplin, Dynamik und damit Erfolg gewertet. “Wenn Menschen eine dicke Frau sehen, die Pommes isst, würden sie eher nicht auf die Idee kommen, dass sie eine erfolgreiche Managerin ist”, sagt Bührmann. Dicken Menschen hafte der Ruf an, undiszipliniert zu sein. Auch eine Kopftuchträgerin oder eine Frau mit dunkler Haut halten viele Menschen hierzulande eher für eine Putzfrau oder ein Zimmermädchen als für die Chefin der Finanzabteilung, das zeigen viele Erfahrungsberichte. Wollen sie sich durchsetzen, müssen sie größere Widerstände überwinden als eine, die den Vorstellungen auf den ersten Blick entspricht.